La Palma – die kleine grüne !

Wir haben den folgenden Artikel mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift ELTERN hier wiedergegeben. Der Artikel auf der Seite 144 der November Ausgabe 2012 beschreibt Reisen auf sechs der insgesamt sieben Kanarischen Inseln. Wir haben uns hier auf den Auszug beschränkt, der die Insel La Palma beschreibt, geschrieben von Verena Carl.

Strandliege oder Jeep? 5-Sterne- Badelandschaft oder einsamer Lavastrand? Mitten im Atlantik findet jede Familie ihren Lieblingsplatz – bei frühlingshaften Temperaturen rund ums Jahr. ELTERN-Autorin und Kanaren-Kennerin Verena Carl war zuletzt mit Familie beim Wandern auf La Palma und weiß, wer sich auf welcher Insel am wohlsten fühlt.

Kamelreiten auf La Palma

Wackeliger Hochsitz: Verena Carl und ihre Familie lassen sich auf einem Kamel um den Vulkan San Antonio schaukeln

Es gibt Kanaren-Fans – und es gibt La-Palma-Fans. Schon am Flughafen kann man sie auf einen Blick unterscheiden: an ihren Schuhen.
Fast alle, die nach La Palma einchecken, tragen schon zum Fliegen Wanderstiefel. Damit die nicht so viel Platz im Koffer wegnehmen. Auch wir verreisen diesmal mit Klotz am Bein. Vor Jahren waren wir schon einmal auf La Palma und haben die kleine Grüne schätzen gelernt: beim Wandern durch uralte Wälder, beim Tapasessen in abgelegenen Hafenkneipen und beim Bummeln durch verschlafene Städtchen.
La Palma zieht Menschen an, die stille Lorbeerwälder lieber haben als laute Poolspiele und abends gern auf der Terrasse eines Natursteinhäuschens sitzen, statt beim Clubtanz die Arme zu schwenken. Zwei Dinge haben sich seit unserem ersten La-Palma-Trip allerdings geändert: Wir haben jetzt Kinder – und die Mehrheit unserer Mitreisenden auch. Was wollen die bloß alle auf einer Insel, in der Wanderschuhe wichtiger sind als Eimerchen und Schäufelchen? Wahrscheinlich das Gleiche wie wir: Abenteuer – aber auf die sanfte Tour.
La Palma, von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt, hat noch immer seinen ursprünglichen Charakter, die wildwüchsige Natur. Aber die Wege entlang des bewaldeten Vulkankraters „Caldera de Taburiente“ sind mittlerweile so
gut ausgeschildert wie im Schwarzwald, im Infocenter liegen praktische Faltpläne zum Mitnehmen aus. Und die Sechs-Kilometer-Familientour durch den Lorbeerwald „Los Tilos“ ist angelegt wie eine Schnitzeljagd:
Zwischen Farnen und Blätterdach gibt es mit einer Art Schatzkarte viel zu entdecken, von der steinernen Wasserwaage am Wegrand bis zum Aussichtspunkt mit einem atemberaubenden Blick über das grüne Blätterdach. So etwas finden Eltern gut und Kinder auch. Allerdings sind alle anderen schneller als wir: Die meisten haben Kinder, die sich noch problemlos auf dem Rücken oder vor dem Bauch kilometerlang über hölzerne Brücken und schmale Wege schleppen lassen. Helen, 6, muss dagegen zwischen Wurzelwerk nach kanarischen Waldelfen suchen, Henri, 3 ½, jedem Vögelchen im Gebüsch nachspüren. Das dauert. Aber wir haben ja Zeit. Wie heißt das entspannteste Wort der spanischen Sprache?

Mañana. Morgen.

Verschiebt man allerdings zu viel auf den nächsten Tag, ist irgendwann nichts mehr übrig von der Urlaubswoche. Und das wäre schade,  denn außer Wandern (oder Mountainbiken, wenn man als Eltern fit ist) hat La Palma noch eine ganze Menge mehr zu bieten. Besonderes Highlight: Kamelreiten am Vulkan San Antonio. So ein Vieh schwankt ganz schön, wenn es sich erhebt, aber als wir schließlich wie Lawrence von Arabien mit seinem Clan durch die wüstenartige Landschaft geführt werden, ist der kurze Schreck beim Hochkommen vergessen. Ebenfalls familienausflugstauglich: die hübsche Altstadt von Santa Cruz de la Palma mit ihren brunnenbestückten Plätzen, den Boutiquen, die geschmackvollen Schmuck aus Lavastein verkaufen, und der originalgetreuen Nachbildung des Kolumbus-Schiffes  „Santa Maria“ zum Darauf-Herumturnen. Auf dem Weg dahin lohnt sich übrigens ein Abstecher zur „Cueva de Belmaco“, einer Wohnhöhle der kanarischen Ureinwohner: beeindruckende Felszeichnungen für die Großen, ein natürlicher Abenteuerspielplatz für die Kleinen.
Nun fliegt man nicht Tausende von Kilometern ans Meer, um es nur von der Ferienhausterrasse aus zu bewundern.
Denn auch wenn La Palma keine ausgesprochene Badeinsel ist: Natürlich gibt es dort Strände, und sie haben ihren Charme. Etwa der in Puerto de Tazacorte, einem Fischerort mit bonbonbunten Häuschen. Mit Liegestuhlverleih und einem hübschen Hafenlokal („Taberna del Puerto“) bietet er auch Faulenzern die passende Infrastruktur.  Der Lavasand ist grobkörnig und dunkel, und man kann ihn sich prima wie einen stoppeligen Piratenbart ans Kinn kleben. Außerdem starten von hier Bootstouren, auf denen man mit etwas Glück Wale, Delfine aller Arten und anderes Meeresgetier zu sehen bekommt (unsere Bilanz: keine Delfine, dafür ein seltener Hammerhai).
Unser Lieblingsstrand liegt allerdings ganz im Süden von La Palma: die Bucht „Charco de los Verdes“, nur ein paar Kilometer jenseits der Feriensiedlung Puerto Naos, inmitten von Bananenplantagen gelegen. Zwischen einer Clique von Campingbus-Hippies lagern wir unter dem Palmstroh-Sonnenschirm und bauen Männchen aus dunklen Lavasteinen. Zur Abkühlung wagen wir uns schrittweise in die Brandung, die Kinder fest an der Hand.
Hier ist das Meer kein zahmes Kätzchen, sondern ein unberechenbares Wildtier, dem man sich nicht zu sehr ausliefern sollte. Aber: Wer hier mal eine Stunde dabei zugesehen hat, wie sich der Atlantik an den steil aufragenden Felsen bricht, der braucht keinen Meditationskurs mehr. Und schließlich liegt ganz in der Nähe noch einer der schönsten Plätze der ganzen Insel: „Kisoco 7 Islas“. Auf der überdachten Terrasse dieses Strandlokals in El Remo kommen die köstlichsten Kleinigkeiten von La Palma auf den Tisch:
Mini-Calamares, frischer Atlantikfisch, knackige Tomaten, Kartoffelomelettes für die Kinder. Über die Steinmauern huschen Eidechsen, am Nachbartisch singt eine angeheiterte Clique junger Palmeros mit hippen Sonnenbrillen Lieder, die von Schiffen und Sehnsucht handeln, vor unserer Nase treiben Body-Boarder ihr Spiel mit den Riesenwellen. Haben wir heute noch Pläne? Vergiss es.
Mañana.

Info: La Palma Reisen in Berlin (Tel. 030 89748979, https://calima-reisen.de hat eine große Auswahl an Ferienhäusern, vermittelt auch Flüge und Mietwagen mit Kindersitz (ohne Auto kommt man auf der Insel schlecht voran). Unsere Familie wohnte in der Casa Cabrera im Ort Los Quemados, schönes Natursteinhaus mit zwei Schlafzimmern, Kochgelegenheit und Terrasse mit tollem Meerblick, Einkaufsmöglichkeiten am Ort.

La Palma - ein Ferienhaus am Meer

Mit Fenster zum Meer:
ein Ferienhaus, wie Familien es sich wünschen

 

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